Die Deutschen finden es suspekt, wenn Leute immer gut drauf sind

Die Deutschen finden es suspekt, wenn Leute immer gut drauf sind

Die Deutschen finden es suspekt, wenn Leute immer gut drauf sind

Interview-Reihe “Sprachbarrieren im privaten und beruflichen Alltag” Teil 3

 

„Die Deutschen finden es suspekt, wenn Leute immer gut drauf sind“

von Jane Doe, 31, Amerikanerin, geboren in Maryland, USA, lebt jetzt in Hannover.

1. Haben Sie Fremdsprachenkenntnisse? Wenn ja, welche Sprachen sprechen Sie und wie gut?

„Deutsch: CEF C1/C2, Spanisch A1, Niederländisch A2.“

 

 2. Welchem Beruf gehen Sie aktuell nach?

“ Ich bin Musik & Englisch Lehrerin.“

 

 3. Wo stoßen Sie in Ihrem beruflichen und/oder privaten Alltag auf Sprachbarrieren?

„Amerikanische Witze sind nicht unbedingt auf Deutsch witzig, obwohl die Übersetzung perfekt ist. Ich gucke nicht gerne Sitcoms auf Deutsch, weil die auf Englisch einfach besser sind. Und im alltäglichen Leben finde ich amerikanischen Humor lustiger als den deutschen.“

„Wenn ich einen kleinen Streit mit meinem Mann habe oder mit anderen diskutiere, empfinde ich mein Deutsch als nicht fließend genug. Man merkt immer wenn ich wütend werde, dann spreche ich automatisch Englisch.“

„Während einer wissenschaftlichen Diskussion, benutzen die Deutschen große Worte und ich kann mit solchen Worten nicht mitdiskutieren. Manchmal benutze ich ein Fremdwort, um den Deutschen zu imponieren, weil im Englischen diese Fremdwörter häufiger verwendet werden.“

„Und letztens hatte ich Probleme mit dem Schreiben auf Deutsch. Da ich an der Uni die meisten Hausaufgaben auf Englisch geschrieben hatte, fällt es mir schwer mich schriftlich auszudrücken.“

 

 4. Wie groß ist der Anteil der fremdsprachlichen Schüler (oder andere Menschen in Ihrem Umfeld)?

„Ich habe viele SchülerInnen, die interessiert sind Englisch zu lernen. Englisch ist ein Muss an der Schule und in vielen Berufen.“

 

 5. In wieweit unterscheiden sich „typisch deutsche“ Gepflogenheiten zu den amerikanischen? Wie wichtig ist interkulturelle Kompetenz?

„Meiner Meinung nach beherrscht kein Mensch fließend einer Sprache bis er oder sie interkulturelle Kompetenz in der gewünschten Kultur beherrscht. Sprachen sind nicht nur Worte, dazu gehören die Kultur und der Mensch. Um in Deutschland erfolgreich zu leben, muss man die Gewohnheiten gelernt haben, um sich richtig zu integrieren. Sobald man dies verstanden hat, kann man die Sprache besser sprechen. Eine Sprache ist nicht schwarz weiss Grammatik, Vokabel, usw. Man muss z.B. in der Lage sein Witze zu erzählen und Witze zu verstehen, man muss die Politik und Geschichte der Kultur lernen, um ihre Sorgen und Interessen zu verstehen.“

„Wenn ich nur die Sprache gelernt hätte, dann wäre ich nicht erfolgreich. Ich könnte meine amerikanische Identität nicht auf Deutsch darstellen. Ich kann nicht einfach mit einem Lächeln herumgehen und TOLL! sagen, weil ich nicht überoptimistisch und laut sein darf. Klar, darf man ein bisschen davon zeigen, da die Deutschen ein bisschen Sonnenschein in ihren Leben brauchen, aber hätte ich alle diese amerikanische Gewohnheiten beibehalten und verwendet ohne ein Paar deutsche Gepflogenheiten zu haben, hätte mir kein Mensch vertraut. Die meisten Deutschen mögen es nicht und finden es suspekt, wenn Leute immer gut drauf sind. Amis sind genauso schlecht drauf wie die Deutschen, aber wir versuchen es nicht zu zeigen. Die Deutschen sind häufig ehrlicher und zeigen ihre Gefühle. Wenn man auf Deutsch fragt: Wie geht’s?, dann sollte man darauf vorbereiten sein, die Wahrheit zu hören. Amis sagen Wie geht’s?, um andere zu begrüßen. Wenn du die Wahrheit sagst oder anhältst, um mehr zu erzählen, ist es unangenehm für Amis (es sei denn, du hast eine sehr enge Beziehung zu der Person).“

„Aber seitdem ich in Deutschland wohne, bin ich ehrlicher und direkter. Ich finde es eigentlich toll. Jedoch was mich stört sind die vielen Sorgen die Deutsche haben. Ich hatte mir nie Gedanken gemacht, ob ich richtig in einer Schlange stehe. Hier ist es ein Überlebungskampf und alle Menschen jung und alt verteidigen ihre Position in einer Schlange. Ein paar Menschen versuchen immer zu drängeln, aber die Deutschen beschweren sich darüber. Die sagen dir schon wenn du etwas falsch machst.“

„Man muss in Deutschland lernen Regeln zu lieben. Richtig lieben. Du darfst dein Rad nur auf der rechten Seite fahren und für jede Kleinigkeit muss man Formulare ausfüllen und sie beglaubigen lassen. Formulare sind sehr wichtig.“

„Aber trotz dieser Makel, respektiere ich die Kultur und genieße die Ehrlichkeit der Menschen, weil ich sehr viel Vertrauen zu Menschen habe, die ehrlich sind. Die Beziehungen hier sind viel tiefer und wäre ich nicht so integriert, denn könnte ich hier nicht so erfolgreich und zufrieden leben.“

 

 6. Wünschen Sie sich manchmal einen Dolmetscher oder Übersetzer zur Seite?

„Ich habe meinen Mann.“

 

 7. Haben Sie ein paar sprachliche Patzer auf Lager, die Sie sich geleistet haben? Interkulturelle Fettnäpfchen nehme ich auch gern.

„Während des Unterrichts mache ich Witze auf Englisch und fast keiner verstehen sie. Das ist mir sehr peinlich. Die lachen über Dinge die nicht witzig sind. Die Deutschen erinnern mich ein bisschen an Sheldon Cooper aus „ The Big Bang Theory“.“

„Am Anfang habe ich oft „ich bin heiss“ statt „mir ist heiss“ gesagt und ich sage immer noch „mach‘“ statt „mag“ . Zum Beispiel „Ich mach die Sonne!“. Ich wünsche, dass ich hier die Sonne machen könnte.“

 

 9. Können Sie eine oder zwei lustige Situationen zum Besten geben die Ihnen zum Thema einfallen?

„Wie ich schon gesagt habe, man muss nicht nur die Grammatik und Vokabel lernen, um eine Sprache zu beherrschen. Man muss alles drum und dran lernen. Zum Beispiel habe ich in Deutschland gelernt, dass Amis wirklich prüde sind. Unsere Sprache und Verhalten spiegelt diese Tatsache wider. Wir sind nicht so direkt und wir verstecken unsere schlechten Gefühle. Wir sind manchmal extravagant und überoptimistisch, aber im Großen und Ganzen sind wir vorsichtiger unsere Meinungen und Gefühle auszudrücken. Wir sagen immer Thank You und Sorry. Die Deutschen, meiner Meinung nach, sind mehr selbstbewusster und haben kein Problem ihre Meinung zu äußern. Das hört man in der täglichen Sprache und außerdem, haben sie kein Problem ihren Körper zu zeigen. Mein erster Kulturschock war als ich an einem See war. Mein damaliger Freund wollte, dass ich ein Kulturschock erlebe und hat mir den FKK Teil des Sees gezeigt. Das war ein unvergessliches Erlebnis. Aber „When in Rome….“., jetzt mache ich das Gleiche. Ich gehe in der Sauna und mache FKK. Ich mache mir keinen Kopf mit anderen nach dem Sport oder Saunagang zu duschen. Egal ob man dick oder dünn ist, die Deutsche zeigen es. Sie zeigen alles: ihre Gefühle, ihre Meinung, ihre guten und schlechten Seiten und ihre haarigen Hintern.“

 

 10. Reisen Sie gern? Wo zieht es Sie hin? Welche Länder haben Sie bereits besucht und welche Orte sind Ihnen am Meisten in Erinnerung geblieben und warum?

„Ich vermisse die Sonne. Meine ersten paar Jahre habe ich mir eine Sonne gebastelt und die an meinen Fenster geklebt. Also, ja ich reise sehr gerne und wenn möglich an Ort wo die Sonne scheint. Aber ich schätze die deutsche Qualität. Man weiss, dass die deutschen Restaurants und Hotels gut sind. In der Türkei oder Spanien ist es ein Gewinnspiel, also reise ich gerne nach Österreich. Das Land ist fast Deutsch und spiegelt immer noch die deutsche Qualität. Die Landschaft ist super und die Sonne zeigt sich dort mehr als hier in Norddeutschland. Außerdem wandere ich gerne und der Süden Deutschland sind bestens geeignet.“

 

 11. Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen damit, eine Fremdsprache zu erlernen? Haben Sie ermutigende Wort oder Tipps für Leute, die gerne eine Sprache erlernen möchten?

„Ich sage meine Schülern: wenn es schmerzt, dann lernst du was. Es reicht nicht Vokabel anzugucken, um sie zu lernen, diese Gabe habe nur wenige Menschen. Man soll versuchen die Sprache authentisch zu verwenden. Finde jemanden mit dem du ein Sprachtandem machen kannst, guck englische Filme, finde ein Englisch sprachigen Brieffreund, und reise in die Länder, wo du die Sprache verwenden musst. Kurse sind immer gut um sich Grundlagen und Regeln anzueignen, aber am Bestem lernt man es immer noch von den Muttersprachlern.“

 

Beitragsbild von Pixabay.com.

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